Ing. Rudolf Pressberger zum Gedenken

Aus Sternenbote 9/2001

Plötzlich und gänzlich unerwartet ist auf einer Wanderung an seinem Urlaubsort St.Veit in Defereggen, Osttirol, Ing.Rudolf Pressberger von uns gegangen.- Der weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannte Fachmann auf dem Gebiet von Planung und Bau himmelskundlicher Geräte stand erst in seinem 58. Lebensjahr. Er wurde am 3. Dezember 1942 in Wien als Sohn von Dipl.Ing. Hans Pressberger, technischer Angestellter bei der Radiofabrik Ingelen, geboren. In Wien besuchte er die Volks- und Hauptschule. Im Alter von 15 Jahren verlor er und seine beiden älteren Schwestern Leni und Traude den Vater, der den Jungen dank seines technischen Verständnisses und auch mit seinem kleinen Fernrohr entscheidend beeinflußt hatte. Dieser Verlust prägte ihn tief und legte den Keim zu seinem späteren Arbeitsgebiet. Es folgten die Jahre auf der Höheren Technischen Lehranstalt in Wien; nach Abschluß seines Maschinenbau-Studiums und drei Jahren Praxis erhielt er den Berufsti-tel Ingenieur.

1964-1972 war er im Konstruktionsbüro der Armaturenfirma Hübner-Vamag in Wien tätig. Durch die Mondflüge verstärkte sich sein Interesse für Astronomie und er begann Spiegel zu schleifen. 1967 gründete er eine Familie, aus der seine beiden Söhne Andreas und Thomas stammen. 1972 trat er in den österreichischen Bundesdienst mit einem Sondervertrag als technischer Angestellter am Institut für Astronomie der Universität Wien ein.

In dessen Rahmen war 1969 unter der maßgeblichen technisch-himmelskundlichen Betreuung durch Univ.-Prof.Dr.Alois Purgathofer das Leopold Figl-Observatorium mit dem 1,5m Ritchey-Chretien Teleskop auf dem Mitterschöpfl Wirklichkeit geworden und dessen weiterer Ausbau durch ihn und Oberrat Dr. Manfred Stoll im Gange. Prof. Purgathofer zur Seite gestellt, konnte Ing.Pressberger von diesem in der Beobachtung, Feintechnik, Optik und Elektronik gleich hervorragend erfahrenen Lehrer, ja sogar Freund, reiches Wissen und Erfahrung im Fernrohr- und Zusatzgerätebau gewinnen. Schon 1973 zeichnete er die Pläne für das 60cm Ritchey-Chretien Teleskop.

Die Hauptoptik schliff und polierte er sogar im eigenen Heim auf eigenen Maschinen, die Mechanik fertigte er mit seinen Kollegen im Institut und Dr.Stoll baute die immer noch tadellose Computersteuerung. Es steht in dem zweiten, kleineren Turm am Mitterschöpfl. Unter Förderung und Anerkennung seiner Leistungen durch seinen Lehrer und besonders seit 1981 durch den Institutsvorstand Univ.-Prof.Dr. Werner Tscharnuter erweitert tätig, wurde er 1984 nach dem unerwartet frühen Tod seines Lehrers mit der technischen Betriebsleitung des Leopold Figl Observatoriums betraut. Das Hinscheiden seines Lehrers traf diesen sensiblen Mann besonders schwer, war ihm aber Ansporn, diesem Vorbild nachzustreben. Damit waren seine Aufgaben aber auch sehr gewachsen.- Er erfüllte sie derart, daß - vor allem, als Dr.Stoll über das EDV-Zentrum der Wiener Universität als Ministerialrat ins Wissenschaftsministerium gewechselt war - der damalige Institutsvorstand Univ.-Prof.Dr.Paul Jackson 1987 seine Überstellung in das Entlohnungsschema Ia beantragte. In seiner Begründung führte er u.a. aus: "... er ist stetig in seine Aufgabe hineingewachsen, die er ausgezeichnet bewältigte ... er gilt mit Recht als ausgezeichneter Fachmann auf dem Gebiet des Instrumentenbaues ... seine Vortragstätigkeit über neue Entwicklungen im Instrumentenbau ist bekannt ... er besitzt auch Auslandserfahrung ... und daran anschließend kann ich mit gutem Gewissen Herrn Ing. Pressberger eine überwiegend a-wertige Berufstätigkeit mit ausgezeichnetem Erfolg bescheinigen".

Eine besondere Leistung auf dem Gebiet hochmoderner, professioneller Fernrohrtechnik erbrachte er 1986 - die "österreichische Präzisionsmontierung", welche nur einschlägige Werkzeugmaschinen erfordert und daher sehr preiswert sein kann. Er förderte als technischer Referent des Österreichischen Astronomischen Vereins ab 1987 dessen himmelskundliche Bildungsaufgabe durch die unentgeltliche Überlassung seiner Zusammenstellungs-Pläne zur Weitergabe an ausschließlich private Nutzer und im Bedarfsfall auch durch persönliche, uneigennützige Beratung. Ein diesbezüglicher bisheriger Höhepunkt, auch angesichts des folgenden wissenschaftlichen Einsatzes, war ihr Nachbau (60cm Durchmesser) durch Ing. Erich Meyer und Erwin Obermair für die Privatsternwarte in Davidschlag OÖ. Weitere (50cm Durchmesser) stehen in der Privatsternwarte von Dipl.Ing.Hans Schäfer und den Brüdern Kreuzer in Harpoint OÖ, auf der Johann Kepler-Volkssternwarte in Linz und (40cm Durchmesser) in der Privatsternwarte von Siegfried Müller in Deutschlandsberg ST (1.Ausführung 1987).

Schon 1970 begann er mit dem Bau einer Privatsternwarte mit 5m-Kuppel und einem Newton-Teleskop 40cm Durchmesser und später einem RC-Teleskop von 1m Durchmesser; auch dessen beide Spiegel schliff und polierte er selbst. Die erste Aufstellung erfolgte auf der Garage seines Privathauses in Scheiblingstein NÖ und die erste Inbetriebnahme 1978. 1982-1988 errichtete er mit seiner zweiten Frau Edda und der gelegentlichen Hilfe guter Freunde ein Privathaus mit Sternwartenkuppel und vielseitig eingerichteter Werkstätte im Gemeindegebiet von Klosterneuburg, wo Altbürgermeister Resperger das Pachtgrundstück Haschhof 4 zur Verfügung gestellt hatte. Im Gedenken an seinen verehrten Lehrer und Freund nannte er sie "Purgathofer-Sternwarte". Die eigenhändig gebaute Teleskopmontierung erhielt - wieder wie bei allen anderen durch Dr.Stoll - eine gleichermaßen hochmoderne Computer-steuerung. Am 7.April 1989 wurde die Sternwarte durch Landeshauptmann Siegfried Ludwig in Gegenwart der Vorstände der Universitäts-Institute Graz, Innsbruck und Wien feierlich eröffnet; sogar sein ehemaliger Chef Univ.-Prof.Dr.Tscharnuter war aus Heidelberg gekommen und Generalabt Koberger des Chorherrenstiftes Klosterneuburg segnete das Bauwerk. Als bald darauf Fachleute von Carl Zeiss zu Besuch und Besichtigung kamen, zeigten sie sich äußerst beeindruckt.- Weiters hervorzuheben ist seine Neuentwicklung auf dem Gebiet der lichtelektrischen Photometrie; ein wie beim Kinofilm verwendeter Malteserkreuzantrieb dreht ruckweise das Filterrad. Die so erzielten ultrakurzen Filterwechselzeiten verringern den Einfluß der Sichtschwankungen und steigern die Genauigkeit der Messungen erheblich.

Zusammen mit Univ.-Prof.Dr.Hans Michael Maitzen konnte er mit diesem auch photonenzählenden Photometer trotz nicht idealer Sichtbedingungen an der Supernova 1993J im Strömgren-System nicht nur international konkurrenzfähig genaue Helligkeiten gewinnen, sondern diese auch in den sonst nur sehr selten zeitlich so weitreichend und genau erfaßten UV-Bereich ausdehnen.- In der Folge führten beide an zahlreichen Ap-Sternen derartige Helligkeitsmessungen aus, wobei mit dem neuen Photometer am 1m RC-Teleskop die für diese Thematik verlangte Genauigkeit von wenigen Tausendstel Größenklassen erreicht wurde. Darunter war auch der interessante Fall HIP 60350, der sich später unter den Schnelläufern des frühen Spektraltyps als jener mit der raschesten bisher bekannten Raumbewegung erwies.- Ferner gelang es, in Zusammenarbeit mit Andreas Kreuzer und Dipl. Ing.Hans Schäfer sowie Dr.Martin Ploner vom Institut für Theoretische Geodäsie und Geophysik, Abt.Geodäsie an der TU Wien, eindrucksvolle CCD-Aufnahmen von den Hüllen in der Koma des Kometen C/1995 O1 Hale-Bopp zu gewinnen - deutliche Beweise für die wissenschaftliche Nutzung dieses hochleistungsfähigen Teleskops.

Der Preis für Wissenschaft und Kunst der Stadtgemeinde Klosterneuburg, das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und die Benennung des Kleinplaneten (13682) nach ihm freuten diesen bescheidenen Mann besonders. In seinem Leistungsstreben war er unvergleichlich, stets äußerst exakt und korrekt. Bei Verdacht auf Manipulation trat er für Korrektheit ein und scheute auch Konfrontation nicht - doch immer im Sinn der guten Sache. Er fühlte sich nie ausgelastet und auch vor allem in seiner letzten Lebenszeit oft in seinem Leistungsstreben behindert und sehr belastet. Durch gute Psychologie hätte seine Umgebung nicht nur einem ehrlichen, genialen Menschen, sondern auch ihren eigenen Aufgaben geholfen.

Das volle Ausmaß des Verlustes, den unser Land und seine Himmelskunde durch seinen Heimgang erlitten hat, wird erst nach und nach faßbar werden. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, vor allem seiner Witwe. Wir alle, die ihn näher kannten, werden ihm ein bewunderndes Gedenken bewahren. Weithin sichtbar aber werden seine Leistungen und seine Menschlichkeit weit darüber hinaus dauernde Spuren hinterlassen.

Von Prof.H.Mucke (Sternenbote 9/2001)

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